Ukrainischer Deutschlehrer 
– und Germanistenverband

Unsere ausländischen Kolleginnen und Kollegen fragen oft, wie in der Kriegszeit ukrainische Schulen und Universitäten funktionieren. Heute lassen wir den Direktor des Lyzeums №28 in Lwiw (im Westen der Ukraine) Herrn Iwan Lozenko darüber erzählen. In den letzten Wochen wurde die Schule zu einem Zufluchtsort für zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten und Süden der Ukraine. Das hat sicher auch den Charakter seines Berichts bestimmt.

Iwan Lozenko: Krieg geht jeden an

Ich habe mir lange überlegt, was ich schreiben sollte. Es ist mir einfach schwer zumute. Es ist schwer vorstellbar, dass sich die Ukraine jetzt seit mehr als einem Monat im Krieg befindet. Hier in der Westukraine erinnert man sich gut an die Gräueltaten von NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten). Und ich habe die Propaganda der Sowjetunion persönlich erlebt. In der unabhängigen Ukraine erfuhr jeder vom Holodomor (der Hungernot), von Dissidenten, von Verbrechen der Sowjetregierung. Und die Sowjetunion ist nicht verschwunden, sie existiert in Russland mit dem tollwütigen Putin an der Spitze. Er will mein Land komplett besetzen, wo ich geboren bin, in die erste Klasse gegangen bin, studiert habe und jetzt arbeite. Aber er hat eines nicht vorausgesehen – die Einheit aller Ukrainer und der gesamten zivilisierten Welt.

Wir haben die russischen Besatzer nicht mit Salz und Brot getroffen, wie diese asiatischen Eindringlinge dachten. Putin hat uns gefestigt, uns organisiert, uns Vertrauen und Vertrauen gegeben, dass die Ukraine war, ist und sein wird.

Jeder in der Ukraine arbeitet für den Sieg der Ukraine. Die einen flechten Tarnnetze wie meine Kolleginnen, die anderen engagieren sich ehrenamtlich, wieder die anderen machen Molotow-Cocktails, die wir Bandera-Smoothies nennen. Und in unserer Schule gibt es einen Flüchtlingsort. Wir empfangen, ernähren, helfen den Leuten, die ihre Heime verlassen mussten. Viele unserer Eltern und die Stadt versorgen uns mit Essen, Bettzeug, Wasserkochern, Multikochern, Gefrierschränken.

Viele meiner Freunde haben meine Familie und mich ins Ausland eingeladen. Aber hier ist mein Land, hier sind meine Freunde, Verwandten, Kollegen. Mit großer Freude besuche ich sie nach dem Sieg der Ukraine über Russland.

Aber große Hoffnung liegt auf den Streitkräften der Ukraine. Soldaten mit Waffen in der Hand beschützen uns vor der ruSSischen Horde. Aber wir verteidigen nicht nur unsere Heimat, sondern ganz Europa vor den den Verstand verlorenen Eindringlingen.

Einige mögen sagen, dass die einfachen Menschen in Russland nicht an diesem blutigen Krieg schuld sind. Nein, schuldig! An jedem von ihnen klebt das Blut friedlicher ukrainischer Einwohner und ukrainischer Soldaten. Kundgebungen, Streiks, Hungerstreiks, Appell sind die demokratischen Instrumente, die den Anstoß geben würden, diesen Krieg zu beenden. Kranke Zombiemenschen, von denen sich die ganze Welt abgewandt hat. Niemand wollte oder will das Gehirn einschalten.

Sieben Tage lang habe ich mit meiner Cousine Mitteilungen getauscht, die in Russland lebt. Ich zeigte ihr Fotos der zerstörten Stadt, in der unsere Verwandten leben, Reden unseres Präsidenten und Videoberichte der Verhöre russischer Gefangener. Es gab Diskussionen, Streitigkeiten. Aber danach habe ich ihr eine einfache Frage gestellt: „Hat Russland die Ukraine angegriffen oder nicht? Ja oder Nein?" Sie sagte „Nein“. Dann habe ich meine Cousine verloren, sie existiert für mich nicht mehr. Bei kritisch kranken Patienten wird der Krebstumor abgeschnitten, nicht behandelt. Ich setze daher das Land mit seinen Menschen und dem Staat mit dem schizophrenen Putin gleich.

Zerstörte Brücken, das weltgrößte, zerbombte Frachtflugzeug „Mrija“ („Traum“), zerstörte Häuser werden wir wiederaufbauen. Wir werden uns wegen eines posttraumatischen Schocks behandeln lassen, wir werden auf unser Volk besonders stolz sein, das die russische Invasion gestoppt hat. Aber wir sind nicht in der Lage, getötete Kinder, Frauen, ältere Menschen, unsere heldenhaften Soldaten wiederbeleben. Ewiges Gedenken! Die Ukraine wird ihren eigenen Tag des Sieges haben!

Ruhm der Ukraine! Ruhm den Helden!

Mit Unterstützung der Hanns Seidel Stiftung Ukraine

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